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Brust Zentrum Dortmund

So gestaltet sich die Therapie gegen Brustkrebs

In der interdisziplinären Tumorkonferenz beraten wir über die weitere Vorgehensweise. Sie hängt von mehreren Faktoren ab, die wir ausführlich mit Ihnen besprechen. Zentrale Fragen sind:

  • Wie groß ist der Tumor?
  • Ist er gut- oder bösartig?
  • Wo liegt er und wie tief sitzt er?
  • Hat er sich bereits in umliegendes Gewebe ausgebreitet?
  • Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand der Patientin?

Grob lassen sich drei Therapieformen unterscheiden: Operation, medikamentöse Therapie und Strahlentherapie. Je nachdem, wie der Tumor beschaffen ist, entscheiden wir uns bei der Operation für eines der folgenden Verfahren:

  • Minimalinvasive Entfernung auffälliger Veränderungen der Brust (Vakuumbiopsie)
  • Überwiegend brusterhaltende Operation (BET)
  • Brustentfernung mit dem Ziel des Wiederaufbaus (ablative Therapie)
  • Entfernung des/der Wächterlymphknoten (Sentinel-Lymphknotenbiopsie)
  • Plastische Operationen der Brust (rekonstruktive Brustchirurgie)

Unter die medikamentöse Therapie fallen:

  • Chemotherapie,
  • Antihormonelle Therapie, oder
  • die HER2-Antikörpertherapie.
Brusterhaltende Therapie (BET)

Früher ging man davon aus, dass Frauen mit Brustkrebs nur durch die komplette Entfernung der Brust geheilt werden können. Heute wissen wir: In bis zu 80 Prozent der Fälle ist eine brusterhaltende Therapie möglich – dabei sind die Heilungschancen genauso gut. Um einen Sicherheitsabstand zu schaffen, entfernt der Chirurg den Tumor und etwas gesundes Brustgewebe um den Tumor herum. So wird sichergestellt, dass keine Krebszellen zurückbleiben. Aus kosmetischer Sicht ist die BET ideal: Normalerweise ist die Narbe sehr klein oder gar nicht sichtbar.

Ablative Therapie/Mastektomie (Abnahme der Brust)

Manchmal kommt eine brusterhaltende Therapie nicht in Frage. Dann ist es unumgänglich, die weibliche Brustdrüse inklusive der Brustwarze vollständig zu entfernen. Verständlicherweise sind die betroffenen Frauen zunächst schockiert, wenn Sie erfahren, dass Ihre Brust amputiert werden muss. Aber: Diese Operation ist schon lange nicht mehr so radikal wie früher. Durch moderne Techniken wie die hautsparende Masektomie und die rekonstruktive Brustchirurgie können Chirurgen die Brust weitgehend wiederaufbauen.

Rekonstruktive Brustchirurgie (Aufbau der Brust)

Theoretisch kann der Chirurg direkt im Anschluss an die erste Operation mit dem Aufbau der Brust beginnen. Das ist aber eher selten der Fall, da sich viele Frauen nach der OP noch einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen müssen. Deshalb starten wir mit der Rekonstruktion frühestens sechs Monate nachdem die zusätzlichen Therapien abgeschlossen wurden. Dem Chirurgen stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, um die Brust wiederherzustellen. Gemeinsam besprechen wir, welche Variante für Sie die Beste ist:

  • Rekonstruktion mit Eigengewebe (aus Bauch oder Rücken)
    • TRAM-Lappentechnik (Bauchgewebe)
      Volumen, Konsistenz und Form der amputierten Brust können mithilfe dieses Verfahrens rekonstruiert werden. Die Bauchregion wird durch die OP gestrafft.
    • Nachteile: mehrstündige Operation, lange waagerechte Narbe zwischen (neu eingesetztem) Nabel und Schambein.
    • Latissimus dorsi-Lappentechnik (Rückengewebe)
      Das Gewebe aus dem Rückenmuskel (Lado) dient eher zum Ausgleich der Brustkorbwand. Darum wird diese Technik häufig mit einem Silikonimplantat kombiniert.
  • Implantatrekonstruktion
    • Der Aufbau mit Brustimplantaten ist nicht so aufwendig wie mit Eigengewebe. Außerdem entstehen keine zusätzlichen Narben am Körper. Die Patientinnen können ihre Implantate individuell auswählen.
    • Nachteile: Eventuell Ausbildung einer sehr festen Kapsel um das Implantat herum („Kapselfibrose“), Austausch der Silikonimplantate nach gut zehn Jahren.
  • Mamillenrekonstruktion (Brustwarzenrekonstruktion)
    Um die Brustwarze wieder aufzubauen, verwendet der Chirurg circa die Hälfte der gesunden Brustwarze, die auf die rekonstruierte Brust verpflanzt wird. Alternativ kann er auch aus anderen Hautlappen eine Brustwarze formen und sie dann tätowieren.
Sentinel-Lymphknotenbiopsie

Bei der Brust-OP entnimmt der Chirurg auch immer die Lymphknoten in den Achselhöhlen, um das Stadium der Erkrankung zu ermitteln. Der Lymphknoten, der als nächster am Tumor liegt, heißt Wächterlymphknoten oder Sentinel-Lymphknoten. Bildet der Tumor Tochtergeschwülste (Metastasen), wäre dieser zuerst betroffen.

Mit der Sentinel-Lymphknotenbiopsie steht uns ein Verfahren zur Verfügung, das die Achsel bestmöglich schont. Über einen kleinen Hautschnitt oder über den Schnitt nach ablativer Therapie entfernen wir gezielt einzelne Lymphknoten. Das entnommene Gewebe legen wir dem Pathologen zur Schnellschnittuntersuchung vor.

Woher wissen Chirurgen, wo die Lymphknoten liegen? Am Vortag des Eingriffs wird der Patientin in der Röntgenpraxis am Brüderweg, einer unserer Kooperationspartner, ein Kontrastmittel gespritzt. Die Flüssigkeit enthält Eiweißpartikel, an die ein ganz schwach radioaktiver Marker gebunden ist. Sie fließt in die Lymphbahnen und damit in die Wächterlymphknoten. Während der Operation am Folgetag führen wir ein kleines Instrument (Sonde) in den betroffenen Achselabschnitt ein, das auf die schwache Radioaktivität mit einem Signalton reagiert.

Chemotherapie

Die Chemotherapie kommt dann zum Einsatz, wenn wir Tumorabsiedlungen (Metastasen) außerhalb der Brustdrüse vermuten. Diese Mikrometastasen können sich zu größeren Tochtergeschwülsten entwickeln und sind zum Zeitpunkt der Erstdiagnose nicht über bildgebende Verfahren darstellbar. Ziel ist es also, die eventuell vorhandenen Metastasen zu zerstören und die Patientin zu heilen.

Die Medikamente, die bei der Chemotherapie verabreicht werden, heißen Zytostatika. Sie sind deshalb so erfolgreich, weil sie vor allem schnell wachsende Zellen, wie die Krebszellen, angreifen. Leider sind dabei auch andere Zellen betroffen, die sich ebenfalls rasch vermehren, aber gesund sind – etwa Haarfollikel, das Knochenmark und die Schleimhäute. Daher leiden viele Patientinnen während der Chemotherapie unter Übelkeit, Erbrechen oder Haarausfall.

Antihormonelle Therapie

Das wichtigste weibliche Hormon Östrogen regt über Hormonrezeptoren unter anderem das Wachstum verschiedener Körperzellen an. Hat ein bösartiger Tumor Hormonrezeptoren auf der Zelloberfläche, kann er auf den Wachstumsimpuls des Hormons reagieren. In dem Fall ist eine Therapie mit einem Gegenspieler der weiblichen Hormone angezeigt. Sie eignet sich insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren und bei denen die Achsellymphknoten nicht betroffen sind. Hormontherapien laufen in der Regel über mindestens fünf Jahre und werden in Tablettenform verabreicht. Die Verträglichkeit ist meist gut bis sehr gut.

Herceptin-Antikörpertherapie (HER2-Antikörpertherapie)

Bei manchen Brustkrebspatientinnen ist die Anzahl der HER2-Rezeptoren (Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2) auf der Oberfläche der Brustkrebszellen massiv erhöht. Dann teilen sich die Tumorzellen schneller und häufiger. Der HER2-Antikörper blockiert gezielt den HER2-Rezeptor an der Krebszelle. Im Gegensatz zur Chemotherapie hat diese Behandlung deutlich weniger Nebenwirkungen. Unter bestimmten Umständen kombinieren wir Antikörper- und Chemotherapie.

Intraoperative Strahlentherapie

Mithilfe eines „Intrabeam“-Gerätes können wir Patientinnen noch im Operationssaal bestrahlen. Das hat zwei entscheidende Vorteile: Zum einen verkürzt sich die nachfolgende ambulante Strahlentherapie deutlich. In einigen Fällen kann sogar ganz darauf verzichtet werden. Zum anderen kommen wir – im Vergleich zur Strahlentherapie durch die Haut – viel näher an die kleinen, versteckten Geschwüre in der Tumorumgebung heran.

Die Therapie eignet sich vor allem für Frauen, deren Tumor nicht größer als zwei Zentimeter ist. Außerdem sollte sich der Tumor auf einen Herd beschränken und weder stark in die Milchgänge ausgebreitet noch Metastasen gebildet haben. In der Tumorkonferenz besprechen wir für jede Patientin individuell, ob eine Intrabeam-Behandlung in Frage kommt.

Ambulante Strahlentherapie

Studien zeigen: Frauen, die brusterhaltend operiert und anschließend bestrahlt wurden, entwickeln deutlich seltener ein Rezidiv als Patientinnen ohne anschließender Strahlentherapie. Als Rezidiv bezeichnet man das örtliche Wiederauftreten des Tumors.

Folgende Bereiche werden nach einer brusterhaltender Operation bestrahlt:

  • verbliebenes Brustgewebe einschließlich der Operationsnarbe und die Brustwand,
  • gerade bei jungen Frauen: das ehemalige Tumorgebiet, wenn es gut abgrenzbar ist,
  • in Ausnahmefällen: benachbarte (regionäre) Lymphabflusswege und -stationen. Dazu gehören die Lymphknoten in der Achselhöhle, diejenigen unterhalb des Schlüsselbeins und solche, die nahe des Brustbeins liegen.


Bevor wir mit der Strahlentherapie beginnen, bestimmen wir den zu behandelnden Bereich mithilfe einer Computertomografie (CT). Grundsätzlich läuft die Therapie über einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen, und zwar immer nur für wenige Sekunden bis maximal fünf Minuten an fünf Wochentagen.